Pressemitteilung

Zum Weltgedenktag der Unfallopfer im Straßenverkehr am 17.11.2019

© ZNS - Hannelore Kohl Stiftung

ZNS – Hannelore Kohl Stiftung fordert anlässlich des Weltgedenktages der Unfallopfer im Straßenverkehr am 17. November:

Mehr Rücksichtnahme und Verbesserung der Infrastruktur zum Schutz aller Verkehrsteilnehmer

Der dritte Sonntag im November erinnert an Menschen, die im Straßenverkehr verletzt oder getötet werden. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden in Deutschland ist hoch, allein 70.000 Unfallopfer pro Jahr erleiden ein Schädelhirntrauma. Die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung fordert deshalb alle Verkehrsteilnehmer zu verantwortungsvollem Handeln und mehr Rücksichtnahme auf.

Die Einführung von E-Scootern sorgt seit diesem Jahr für neue Probleme. Radfahrer müssen um den begrenzten Platz auf Fahrradwegen kämpfen. Und auf Gehwegen sind völlig neue Risiken für die schwächeren Verkehrsteilnehmer wie Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderungen entstanden.

Gleichzeitig sind auch die Nutzer der Elektrokleinstfahrzeuge durch mangelhafte Beleuchtung, Unsicherheiten bei der Bedienung und fehlende Kenntnis der geltenden Verkehrsregeln Gefahren ausgesetzt. Erschwerend hinzu kommt die Tendenz zu unbedachtem bis verkehrsgefährdendem Verhalten, wie Fahren zu Zweit oder unter Alkoholeinfluss. Sicherheitsausrüstung wie beispielsweise ein Helm und Reflektoren sind für die Stiftung deshalb auch bei Fahrten mit dem Scooter unerlässlich. Denn: Forschungsergebnisse bei Radfahrern zeigen, dass sich 70 % der Kopfverletzungen durch das Tragen eines Helms vermeiden lassen.

Noch wichtiger allerdings ist es, den Unfall an sich zu vermeiden. Dazu ist eine Anpassung der Verkehrsinfrastruktur an die veränderte Mobilität unbedingt erforderlich. „Der Ausbau von Radwegen und eine getrennte Verkehrsführung sind für uns geeignete Maßnahmen zur Reduzierung der Unfallzahlen“, sagt Professor Dr. Joachim Breuer, Vorstandsvorsitzender der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung.

Besonderheiten bei unfallbedingten Schädelhirnverletzungen

Vor allem Kopfverletzungen haben bei Unfällen oft gravierende Folgen. Bei Verkehrsunfällen prallt der Schädel häufig mit großer Wucht gegen einen harten Gegenstand. Dadurch wirken kurzzeitig enorme Kräfte auf den Schädelknochen und das Gehirn ein. Entscheidend für das weitere Leben des Unfallopfers ist, welche Regionen dabei verletzt werden. Besonders fatal sind Verletzungen des Hirnstamms, denn dort sitzt das Zentrum für das Bewusstsein. Wird die Vorderseite des Gehirns verletzt, kann dies beispielsweise Wesensveränderungen zur Folge haben. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus oder der Rehabilitationsklinik sind die Verletzten sehr häufig nicht wieder vollständig genesen.

Unfallopfer und Angehörige stehen innerhalb von Sekunden vor einem Chaos aus Schmerzen, Leid und Fragen. In dieser Ausnahmesituation müssen sie Entscheidungen treffen, die gravierende Auswirkungen auf das weitere Leben haben. Das richtige Verhalten nach dem Verkehrsunfall ist entscheidend, um Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Oft wird aus Unkenntnis und Hilflosigkeit wichtige Zeit verschenkt, werden falsche Entscheidungen getroffen oder kein spezialisierter Fachanwalt beauftragt. Verstärkt wird das Problem durch die kognitiven Einschränkungen der Verletzten. Oft sind sie nicht in der Lage, den schwierigen Weg einer Auseinandersetzung zu gehen.

Belange der Unfallopfer und ihrer Angehörigen im Fokus

Deshalb benötigen hirnverletzte Verkehrsunfallopfer und ihre Familien in jeder Phase der Akutbehandlung, Rehabilitation und Nachsorge Unterstützung. Diese Hilfe leistet die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung seit über 35 Jahren. Im Rahmen kostenfreier Beratung klärt sie mit dem Betroffenen, welche individuellen Hilfe notwendig ist. In vielen Fällen begleitet Die Stiftung Opfer und Angehörige über Jahre, lotst sie durch das verwirrende System der sozialversicherungsrechtlichen Zuständigkeiten und die Vielfalt der therapeutischen Angebote. Ein kostenlos zu beziehender „Leitfaden für Verkehrsunfallopfer mit Schädelhirnverletzungen und ihre Angehörigen“ bietet hilfreiche Informationen, um folgenschwere Fehler bei der Regulierung des Unfalls zu vermeiden.

Betroffene in Not unterstützen erhalten direkte finanzielle Hilfe. Pflegende Angehörige erfahren Unterstützung auf mehrtägigen Schulungen, hirnverletzte Menschen können bei eigens für sie konzipierten Seminaren neue Lebensperspektiven entwickeln und soziale Kontakte knüpfen. Für Familien mit einem schädelhirnverletzten Kind werden Wochenendseminare angeboten, bei denen die Eltern offen über ihre Sorgen sprechen können und fundierte fachliche Informationen zum Krankheitsbild erhalten.

Download Bild © ZNS - Hannelore Kohl Stiftung

Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten